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Am Vorabend der Weltwirtschaftskrise?

13. März 2020 - Raimund Brichta in Allgemein | 35 Kommentare

Corona hin, Corona her. Bis einschließlich Montag entsprach der Corona-Crash voll und ganz einer völlig normalen Börsenkorrektur. Einer Korrektur, wie wir sie in den vergangenen Jahren schon oft erlebt haben: Zuletzt 2015, 2016, und zweimal 2018 – also allein viermal in den vergangenen fünf Jahren.

 

Nicht jede Korrektur verläuft gleich, dennoch gibt es vergleichbare Verläufe. Diesmal waren es zwei Wochen Kursrutsch, die in einen „finalen“ Ausverkauf am Montag dieser Woche zu münden schienen. Nichts Besonderes also. Auch die Begleitmusik war wie immer: Es gab die Sorglosen, die die Kursschwäche zum Nachkaufen nutzten, und es gab die Besorgten, die es von Anfang an gewusst hatten und die prophezeiten, diesmal werde alles viel, viel schlimmer. All das habe ich in diesem Blog in den vergangenen 5 Jahren zur Genüge erlebt.

 

Auch der vergangene  Dienstag konnte noch als ein erwartbarer und halbwegs gelungener „Turnaround Tuesday“ durchgehen. Denn immerhin erholte sich der S&P 500 an diesem Tag um fast 5%. Aber schon am Mittwoch zeichnete sich mit der erneuten Kursschwäche an der Wall Street eine Anomalie ab, die sich am heutigen Donnerstag dann brutal bestätigte.

 

Anomalien haben die Eigenschaft, dass sie dem aufmerksamen Beobachter Warnzeichen geben. Und dieses lautet: Dieses Mal könnte es mehr werden als eine normale und heftige Korrektur. Die Börsen beginnen von jetzt an eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise einzupreisen. Wie lange sie dauert und wie tief sie wird, das lässt sich wie immer im Vorhinein nicht sagen. Sicher ist aber, dass die Börsen selbst dazu einen wesentlichen Beitrag leisten können.

 

Auch die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre begann mit einem Börsencrash. Und damals leisteten die Notenbanken dieser Krise Vorschub, in dem sie auf diesen Crash und die damit einhergehende Kreditklemme nicht angemessen reagierten. Sie blieben zu lange passiv.

 

Dieses Mal ist die Lage noch komplizierter, da durch die Corona-Epidemie gleichzeitig ein Schock droht, der von der realen Wirtschaft ausgeht. Ein Schock der Realwirtschaft und ein Schock der Finanzwirtschaft – das ist ein gefährlicher Cocktail, der zu explodieren droht.

 

Deshalb ist es wichtig, dass Regierungen und Notenbanken von nun an beherzt gegensteuern, um das Schlimmste zu verhindern. Die halbherzigen – und zudem von Christine Lagarde noch äußerst ungeschickt präsentierten – Maßnahmen der EZB reichen nicht. Das Gleiche gilt für die homöopathischen Dosen Medizin, die die Bundesregierung zunächst angekündigt hat.

Aber nun scheint Angela Merkel verstanden zu haben: Am Abend sagte sie, die Situation sei „außergewöhnlicher“ als in der Bankenkrise. „Brenzliger“ wäre wohl der passendere Ausdruck gewesen. Aber da Merkel auch in der Bankenkrise zu außergewöhnlichen Maßnahmen gegriffen hat – Stichwort Bankenrettung -, weckt sie damit zumindest die Hoffnung, dass sie auch diesmal nicht kleckern, sondern klotzen wird. Die Schwarze Null und später auch die  Schuldenbremse werden in diesem Sturm vermutlich schnell hinweggefegt.

 

Und die Notenbanken werden nicht nur – wie von mir seit Jahren angekündigt – ihre Bilanzsummen weiter aufblähen, um damit die angeschlagene Finanzwirtschaft zu stützen, sie werden vermutlich auch ganz neue Instrumente einsetzen. Die EZB zum Beispiel dürfte ihren Leitzins zum ersten Mal unter null drücken, und sie dürfte früher oder später auch mit Aktienkäufen in großem Stil beginnen. Ihr Pulver hat sie jedenfalls noch lange nicht verschossen, wie viele Experten immer wieder behaupten. Helikoptergeld dürfte es allerdings erst in der nächsten Krise geben.

 

Was bedeutet das aber nun für unsere Wahre-Werte-Strategie? Gemäß unserer vorsichtigen Haltung, die wir schon im Januar an den Tag gelegt hatten, haben wir am Rosenmontag – also noch relativ weit oben – die Sicherheitsnetze aufgespannt. Am Dienstag haben wir diese dann vorübergehend eingerollt, weil dem vermeintlichen finalen Ausverkauf vom Montag  – nach der Normalerwartung – eine Erholungsphase hätte folgen müssen. Die Anomalie am Mittwoch hat uns dann aber sofort dazu veranlasst, die Netze wieder aufzuspannen. Nun sind wir also wieder voll gesichert und können die weitere Entwicklung in Ruhe abwarten.

 

Denn selbst wenn wir tatsächlich am Vorabend einer Weltwirtschafts- und Finanzkrise  stehen sollten, wie es die Börsen zuletzt signalisierten, wird es auch in dieser Krise Phasen mit Kurs-Chancen geben. Selbst dem Crash von 1929 folgte erst noch eine monatelange Kurserholung, bevor die Krise sich weiter fortsetzte und dann ihren Lauf nahm. Und trotzt aller Anomalien gilt noch immer diese Normalerwartung: Nach einem Crash folgt eine Gegenbewegung. Stay tuned!

 

35 Kommentare

  1. Oh, nun mache ich mir Sorgen. Solche Worte und das von Ihnen… ja ich gebe Ihnen Recht, der Corona-Virus und der Ölkrieg sind wohl schon einzeln eine Krise Wert… Ich warte heute ab und Bewerte dann die Situation. Gebe die Hoffnung noch nicht auf das wir nun langsam den Boden gefunden haben müssten im SP500

    • Selbstverständlich ist der Markt nach einem solchen Kurssturz jederzeit für eine Gegenbewegung gut (auch fürs eine längere). Aber bitte lassen Sie sich nicht durch das Nachrichtenrauschen verwirren. Der „Ölkrieg“, wie Sie ihn nennen, ist längerfristig sogar gut für die Wirtschaft. Nur kurzfristig wirkt er auf die Finanzmärkte negativ (und nur auf diese) weil dadurch Ölstaatenfonds zu Verkäufen von Kapitalanlagen gezwungen sind. Aber das ist ein reines Finanzmarktproblem. Dafür sollten die Notenbanken bereit stehen.

  2. Ich fand die Rede der Politik gestern Abend nicht schlecht… wenn wirklich Dinge jetzt radikal umgesetzt werden und nicht aufs Geld geguckt wird… heute soll schon in Bundestag und Bundesrat das Kurzarbeitergeld durchgedrückt werden… Schulschließungen beginnen…

    Die FED stellt 1,5 Billionen Dollar bereit auch wenn der Markt gestern nicht reagierte…

    Europa hat zudem die Chance durch diese Krise zusammenzuwachsen… nicht sich über Belangloses immer streiten, sondern gemeinsam richtige Maßnahmen (jetzt nicht nur wegen Corona) zu ergreifen…

    Ich hoffe, dass die Krise nicht zu lange anhält… das Geld ist positiv und wird massiv durch die Notenbanken positiv… wichtig ist, dass nicht zu spät die Psychologie dreht… denn dann könnte auch ein großer Schaden für die Wirtschaft – ausgehend vom Finanzmarkt – eingedemmt werden.

    Und wichtig… es ist ein Virus… was ist wenn sich warme Temperaturen doch positiv bemerkbar machen oder die Meldungen kommen, dass Medikamente gut anschlagen…

    China vermeldet deutliche Rückgänge der Neuinfektionen… Lieferketten sollen nicht mehr unterbrochen werden…
    Sind das alles nicht glaubwürdige Aussagen, weil in China weiterhin die Hütte brennt… oder sind die Aussagen mit den geringen Neuinfektionen wirklich wahr…

  3. Das hoert sich wirklich nicht gut an. Und damit wieder der Vergleich : 1929 haben die Finanzmaerkte bis 1932 90% an Wert verloren. Man kann nur hoffen, dass die Regierungen massiv einschreiten. Die Ankuendigungen von Lagarde sind ein Witz.
    Falls die Dame das nicht einsieht, ist sie fehl am Platze.

    • Ich habe den Weltkrisen-Vergleich deshalb gewählt, um deutlich zu machen, worum es jetzt geht. Das scheinen die Politiker nun zu kapieren. Die EZB wird auch noch folgen. Da bin ich mir sicher.

  4. Ich weiß, dass ist jetzt eine Frage nach DER Glaskugel schlechthin. Aber wie weit nach unten könnte es bei einer vollen Einpreisung einer weltweiten Finanz-und Wirtschaftskrise gehen? Das Limit ist 0, das ist schon klar 😉

    • Wer fühlt sich berufen, diese Glaskugelfrage zu beantworten?

      Ich persönlich kann nur feststellen, dass der Markt rein technisch nun erst recht nach einer – zumindest vorläufigen – Bodenbildung mit anschließender Erholung aussieht. Aber so sah er – wie erwähnt – auch schon am Dienstag aus 😂

  5. Na da ist ja der realistische Pessimismus!!😉😉 Wir haben vielleicht den Boden gefunden.S&P könnte noch bis zum 2018 Tief fallen und dann bis Ostern in eine Seitwärtsbewegung verharren.
    Wenn Notenbanken und Politik handeln!! Aber ich bin zuversichtlich das man alles tun wird um die Weltwirtschaft anzukurbeln.Trump will wiedergewählt werden,
    Auch Xi kann es sich nicht leisten in eine grosse Rezession zu kommen!
    Ausserdem wird der Druck in Europa auf Deutschland so gross sein, das die schwarze Null fallen wird .
    Ps: Interessant wie Gold fällt obwohl wir in einer Krise stecken!

    • Von wegen Pessimismus: Was das kurzfristige Kurspotential nach unten angeht, bin ich derzeit weit optimistischer als am Rosenmontag, als wir den Sack zugemacht haben 😂 Helau und Alaaf!

      • Hallo Raimund,
        was bedeutet bei dir „kurzfristig“ im Zeithorizont und was erwartest du dann im Anschluss?
        Viele Grüße

        • Bitte, bitte nicht jedes meiner Worte so auf die Goldwaage legen. Man muss jetzt einfach auf Sicht fahren.

    • Goldverkäufe dienen der Liquiditätsbeschaffung

  6. Gehöre zu den „Sorglosen“ habe nochmal nachgekauft: MBB, Post, Metro, Heidelbergerzement…da wo auch Insider optimistisch sind. Hoffe die Firmen gibt’s nächstes Jahr auch noch. In jeder Krise hieß es…diesmal ist alles anders… Weltwirtschaftschftskrise droht

  7. Regierung hat Raimund erhört…….Jetzt kommt die Geldkeule😂😂😂

    • Richtig! Genau das ist es, was im Moment hilft. Nicht das technische Geschwurbel der EZB von gestern

    • Meine Meinung ist, die Zentralbanken sollten endlich aufhören, sich so massiv in die Märkte einzumischen.
      Das Resultat haben wir gesehen, nämlich Aktienmärkte, welche nichts aber auch gar nichts mit der Realwirtschaft zu hatten.
      Hochgepeitschte Kurse, durch billiges Geld getrieben.
      Es ist nicht die Aufgabe von Notenbanken, Aktienmärkte zu stützen, sondern eine Balance zwischen Deflation und Inflation
      zu halten. Wir hätten jetzt nicht derart massive Abstürze, wenn die Aktienmärkte vorher nicht so gepuscht worden wären.
      Das der Staat nun in der Krise der Realwirtschaft besonders kleinen Unternehmen unter Die Arme greift ist o.k..

      • Hast Du schon mal darüber nachgedacht, wo der Staat im Zweifelsfall sein Geld herkriegt? Ganz einfach: Auf Umwegen kommt es auch genau von den Notenbanken, die Du wegen des billigen Geldes so harsch kritisierst. Ohne dieses billige Geld wäre es letztendlich gar nicht möglich, dass der Staat den notleidenden Unternehmen unter die Arme greift. Zusammenhänge erkennen 😉

  8. Altmaier u. Scholz die neuen Plisch u. Plum… hoffentlich so gut wie Schiller/Strauß…naja Weltuntergang erstmal verschoben…

  9. Cristine Lagard ist halt nicht Mario Draghi.

  10. Erst war es eine überfällige Korrektur auf 3.000 Punkte beim S&P500, dann ein Mini-Crash, dann der Ausverkauf vom Montag 09.03., und jetzt steht auf einmal eine Weltwirtschaftskrise an…

    Vor 6 Wochen wurden hier zwei Meinungen zum Coronavirus ausgetauscht.

    Meinung 1:
    „Ich verweise auf https://wahre-werte-depot.de/greiffbar-investments-zum-anfassen-29/

    Wir sind uns einig, dass es Zeit für eine Korrektur ist und der Corona-Virus als Auslöser herangezogen wird – Kurse machen Nachrichten. Der Corona-Virus hat aber als Auslöser Potential für ein größeres Unheil, auch an den Börsen. Begründung:

    1) Der SARS-Virus war im Jahre 2002/03 – zum damaligen Zeitpunkt hatte China eine deutlich geringere Bedeutung für die Weltwirtschaft als heute im Jahr 2020
    2) wenn ganze Millionenmetropolen in China abgeriegelt werden und dort das wirtschaftliche Treiben zum Erliegen kommt ist das fatal für Produktion und Handel. Siehe bspw. Ölpreissturz.
    3) 2020 befinden wir uns in einem sehr fragilem Stadium:
    – die Börsen laufen nur noch, weil die Notenbanken aus vollen Rohren feuern, die Feuerkraft schwindet jedoch (Wir erinnern uns an den mutmaßlichen Eingriff der FED im September letzten Jahres).
    – die Wirtschaftsdaten sind miserabel. Europa stagniert bzw. schrumpft partiell (trotz Nullzinsen), die USA verschulden sich extremst und müssen trotz Schuldenorgie die aktuellen Daten vom Chicago-Index akzeptieren. Medial wird sowohl in Europa als auch den USA (Trump) heile (Wirtschafts)welt vorgespielt, aber die Realitäten sehen de facto anders aus.

    Fazit: das fragile Fragment Märkte funktioniert nur, weil auf ach und Krach aufgepasst wird, dass kein Unglück geschieht.
    – Der Handelskrieg wurde von der Politik verschoben, um einen Absturz zu vermeiden.
    – Im Iran wurde eine Eskalation von der Politik vermieden, um einen Absturz zu vermeiden.

    Ein Virus macht aber, was er will. Er lässt sich nicht von der Politik eindämmen oder von den Medien verschweigen. Ergo kann der Coronavirus eine Kettenreaktion auf das fragile Fragment auslösen. Und schon hätten wir unseren schwarzen Schwan.

    Übrigens kam es zu keiner nennenswerten Korrektur beim Gold…“

    Meinung 2:
    „Könnte, würde, wäre – Fazit bleibt: Nichts Genaues weiß man nicht. Und deshalb kann Stand jetzt davon ausgegangen werden, dass es sich um die erhoffte Korrektur handelt. Zumal es seit dem ersten Weltkrieg (möglicherweise auch schon länger) noch nie ein Virus geschafft hat, „für ein größeres Unheil“ an den Börsen zu sorgen. In allen Fällen haben aber Leute schlau zum Besten gegeben, dieses oder jenes Virus werde „unterschätzt“ oder berge die Gefahr „für ein größeres Unheil“. Kommentarzeilen müssen halt immer gefüllt werden 😂

    Ich bleibe dabei:“

    Meinung 2 am 17.02.2020:
    „Ich bezog mich aber auf Deine kurzfristige „Warnhistorie“: Das Coronavirus sei für die Börsen gefährlich. Nachdem sich die Corona-Angst an den Börsen aber innerhalb von Tagen in Luft aufgelöst hat“

    Meinung 1 am 26.02.2020:
    „Ich dachte, die Corona-Angst hat sich an den Börsen innerhalb von Tagen in Luft aufgelöst?

    In China wird bereits Helikoptergeld verteilt…

    https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/plan-in-hongkong-1300-dollar-fuer-alle-buerger-um-wirtschaft-zu-staerken-16652055.html

    Der Faktor Geld ist negativ, wenn die Wirtschaft brach liegt. Mieten, Gehälter und Zinszahlungen können nur dann geleistet werden, wenn regelmäßige Einkommen erzielt werden. Wenn nicht, kommt eine KETTENREAKTION in Gang.“

    Ich schreibe das nicht weil ich es nötig hätte mich vor irgendjemandem zu profilieren. Vielmehr soll der o.a. Meinungsaustausch gerade für die jüngeren Forumsleser ein Beispiel sein, dass es keine Experten oder Börsenprofis gibt. Wichtig sind eigene Bildung, kritisches Hinterfragen und die Anwendung des eigenen gesunden Menschenverstands. Empfielt sinngemäß der Großmeister Andres Kostolany. Sichert das Vermögen.

    • Der Michael kann’s halt nicht lassen. Er will recht behalten 😂

      Auch wenn Du es nicht einsehen magst, aber Märkte entwickeln sich: So beginnt jede Abwärtsbewegung fast immer erst einmal harmlos, in manchen Fällen beschleunigt sie sich, in manchen Fällen wird eine Korrektur draus, in manchen Fällen ein Crash, in manchen Fällen eine Baisse usw. Wie es ausgeht, kann man definitiv erst am Ende sagen. Und genau deshalb ist es als Anleger das einzig Sinnvolle, die Börse im Blick zu behalten und das Begleitrauschen wenn möglich auszublenden.

      Ich erinnere mich an ausgiebige Diskussionen hier im Blog über den „Faktor Geld“ aus dem Jahr 2018, in denen es damals schon hieß, dieser sei rückläufig und deshalb werde es diesmal mehr als eine Korrektur. Wurde es aber nicht.

      Der Faktor Geld war in den vergangenen Jahrzehnten eigentlich auch nie wirklich negativ. Sondern per Saldo kamen stets neue Milliarden- und Billionenbeträge dazu. Was Du offenbar noch immer nicht verstanden hast, ist, dass der Faktor Geld auch nie wirklich negativ werden kann, solange die Notenbanken die Geldhähne offenhalten.

      Wie in unserem Buch beschrieben, tendiert das System ab einem bestimmten Stadium zwar zur Deflation (im Sinne schrumpfender Geldmengen), aber die Notenbanken können dies stets umkehren und ins Gegegenteil verkehren. Erst wenn sie das nicht mehr können, wird das System in einer deflatorischen Krise zusammenbrechen. Dann wird der Faktor Geld tatsächlich negativ werden. Aber so weit ist es bekanntlich noch nicht, und bis dahin brauchen wir nicht weiter über diesen Punkt reden. Notenbanken und Regierungen bereiten sich auch aktuell wieder auf neue Gefechte vor und bringen ihre Geldkanonen schon in Stellung.

      Und genau deshalb dürfte eine tiefe Weltwirtschaftskrise wie in den 30er-Jahren ja auch wieder einmal verhindert werden können. Diese Weltwirtschaftskrise war übrigens der einzige Zeitraum in den letzten hundert Jahren, in denen der Faktor Geld tatsächlich für eine längere Zeit negativ war.

      Also bitte stehle mir nicht länger die Zeit mit solchen Fehlinterpretationen.

      Was das Ende des Abschwungs anbelangt, habe ich mich nie auf eine bestimmte Kurshöhe festgelegt (was im Vorhinein auch gar nicht möglich ist), sonder die 200-Tage-Linie als Mindestziel genannt. Du hattest Dich aber, wenn ich mich recht erinnere, auf deinen wackeligen Aufwärtstrend bei 2.750 S&P-Punkten festgelegt. Hat nicht gehalten, macht aber nix, weil es sich ohnehin nur um Weissagungen handelt. Es kann zufällig mal hinhauen, in der Regel tut es das aber nicht.

      Und was meine Warnung vor einer möglichen Welt-Wirtschafts- und Finanzkrise anbelangt, war diese eher als Weckruf zu verstehen, jetzt etwas zu unternehmen, bevor es zu spät wird. Offensichtlich wird dieser Weckruf auch gerade erhört, denn Olaf Scholz hat in seiner heutigen PK genau meine Formulierung wiederholt, jetzt werde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Er sprach auch von Bazooka und nahm damit einen Begriff Mario Draghis auf. Also: Faktor Geld nix negativ 😂

  11. Die Lösung des Börsengeschehen wäre nach meiner Meinung:
    Brauchen wir Leerverkäufe? Sind wir in der Realwirtschaft
    oder im Zockerparadies? Leerverkäufe verbieten. EZB will
    Unternehmer und private schützen: also weg mit den Negativzins dann ist den Banken und Privatkunden schon geholfen. Banken und Sparkassen dürfen Aktien kaufen, in der Bilanz erscheint immer der Einstandskurs der Aktie egal ob die Kurse steigen oder fallen. Bei fallenden Kursen nimmt die EZB die Bürgschaft aber erst wenn diese verkauft werden. Die Banken könnten so von der Dividende die Ertäge steigern. Der ganze Bankensektor würde gestützt. Damit hätten die Banken wieder luft um mehr Kredite zu vergeben.
    Ich meine ausergwöhnliche Situaton erfordert auch ausergewöhnliches handeln. Es droht noch ein Abstieg des Dax auf ca 8500 Punkte die beiden hochs von 2000 und 2007.

  12. Was mir in den letzten Tagen und Wochen schon öfters aufgefallen ist, wie auch heute: Kurse Steigen und mit einsetzen des amerikanischen Marktes fallen die Kurse solange, bis der Xetrahandel beendet ist. Und dann geht es wieder hoch. Leider bleibt von den Nachbörslichen Gewinnen dann am nächsten Tag wieder kaum was hängen. Das ist schon komisch. Der amerikanische Markt läuft gefühlt besser. Kann man sowas erklären? Ist sowas mit Leerverkäufen großer Institute erklärbar? Zeigt auch der Monatschart ganz deutlich.

  13. Wie hoch sind die Japanischen Staatsschulden? 230%vom Bip.??
    Dann können wir aber noch viel retten in Europa. Wir müssen nur die Schuldenobergrenze erhöhen.
    Solange Geld fliest wird sich keiner beschweren

  14. Mit Corona lag Michael ja durchaus richtig. Frage ist, hat er rechtzeitig verkauft u. Verluste realisiert. Der Faktor Geld ist so wie allgemeingültig definiert sicher nicht negativ…ganz im Gegenteil. Vielleicht versteht Michael den Begriff anders. „profilieren“ naja Michael wir schreiben halt gern… u.der Geltungstrieb stirbt zuletzt.

    • Genau, dass der Fonds rechtzeitig das Sicherheitsnetz aufgespannt hat, lässt sich leicht nachvollziehen. Ohne Corona-Ahnungen, sondern durch bloße Beobachtung und Einschätzung der Marktlage.

  15. Nach dem 13.3.2003 und 9.3.2009 könnten wir jetzt wieder im März das Tief gesehen haben.

    • Und WENN es so sein sollte, dass der Donnerstag das (vorläufige) Tief war, wäre sogar meine Glaskugel rehabilitiert 😂 Sie hätte das Tief – weit im Vorhinein – mit nur zweitägigem Schätzfehler prognostiziert.

      • Ich glaube, nach dem heutigen Handelstag können wir die Glaskugel definitiv entsorgen. Ist das alles noch rational oder schon pure Panik? Was preist der Markt alles noch ein? Gibt es irgendeinen charttechnischen Haltepunkt? Ist Charttechnik gerade noch anwendbar? Fragen über Fragen… Kaum einer wird sie beantworten können. 🙁

  16. Ich finde immer wieder lustig, wie sich Leute Gedanken machen, wie es weiter geht. Kann niemand wissen. Im Moment liegen diejenigen vorne, die es kommen sehen haben. Schön für sie. Hoffentlich steigen sie auch rechtzeitig ein. Zur Zeit denken viele, es kommt eine Bewegung nach oben und dann geht es wieder runter. Klingt gut. Klingt einfach:

    Ich sage mal, es war eine Kosto Spruch: Wer sie nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen.
    Für mich bedeutet es, es wird überraschend hoch gehen.

    Es gibt keinen Fahrplan.
    Die Zukunft meiner Investments ist gleich geblieben. Ich habe meine Aktien aus den richtigen Gründen gekauft. Egal, was jetzt passiert, in 5 Jahren ist es egal. Man darf nur nicht baden gehen. Was jetzt passiert? Null Ahnung! Ob es jemand timen kann? Vermutlich kaum jemand. Wir könnten eine V Erholung haben, die kaum jemand mitnimmt. Wir denken zwar, dass man Immobilien wie blöde kaufen kann, weil Minuszinsen, aber für Aktien gilt das nicht. Wohnen und vermieten erscheint sicherer zu sein als zu produzieren. Weiß eigentlich jeder, dass ohne erfolgreiche Produktion auch die Mieten stark fallen werden? Haben Immobilien Fans Angst? Nein ! Sind sie blöde? Nein! Aktienanleger sind es. Sie sollten nur wissen, dass Immobilienpreise richtig fallen werden, wenn Aktienkurse weiter fallen werden und dass kein Immoblilien Besitzer das Kommen sieht.

    Ich werde also eine andere Theorie aufstellen. Nicht mal 4 Prozent hier werden langfristig aus der aktuellen Situation am Aktienmarkt Profit oberhalb die Marktentwicklung erwirtschaften. Der Markt wird uns überraschen.

    Mein Szenario wäre: Es geht kurz hoch, dann richtig runter.

    Warum ich investiert bleibe? Meine Meinung war an der Börse noch nie einen Cent wert.

  17. Frank Meyer sprach heute Abend bei ntv von Helikoptergeld. Meinte er damit, Geld von der EZB oder vom Staat? Wobei letzteres kein „richtiges“ Heligeld wäre.

  18. Was uns erwartet! Hier ein Auszug aus dem Artikel „Der Corona-Schock“ von Prof. Heiner Flassbeck, einem der versiertesten Volkswirte Deutschlands. Wen der ganze Artikel interessiert, hier der Link: https://makroskop.eu/2020/03/der-corona-schock/

    „Der Schock, den die europäische Wirtschaft zu verkraften hat, ist mit keinem anderen Ereignis der vergangenen siebzig Jahre zu vergleichen. Die Dimension des Einbruchs ist gewaltig. Nur eine extrem schnelle und ebenso gewaltige finanzpolitische Aktion kann ihn abfedern…. …Unter der Annahme, dass die deutsche Wirtschaft vier Monate lang weitgehend still steht, lässt sich ausgehend von der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts folgende grobe Rechnung aufmachen: Sinkt der private Verbrauch während der vier Monate auf rund 57 Prozent seines sonst üblichen Niveaus (das ergibt eine Abschätzung anhand des Wägungsschemas des Verbraucherpreisindex) und zieht er anschließend wieder auf das Vorkrisenniveau an, beträgt sein Rückgang im gesamten Jahr 2020 ungefähr 14 Prozent. Setzt man weiterhin voraus, dass der Staat seine Konsumausgaben auf dem Niveau von 2019 aufrechterhält, ergibt das für den Verbrauch in der Gesamtwirtschaft einen Rückgang im Jahr 2020 von 10 Prozent. Unterstellt man für die Bruttoanlageinvestitionen im Gesamtjahr einen Absturz auf 25 Prozent und bei den Lagerinvestitionen ein Hochschnellen auf 100 Milliarden Euro (das bedeutet nach -12 Milliarden Euro im Jahr 2019 einen enormen Swing), beläuft sich der Investitionseinbruch gegenüber dem Vorjahr auf ungefähr 60 Prozent. Geht man davon aus, dass die Nachfrage aus dem Ausland stärker einbricht als die Importe, könnte der Außenbeitrag von gut 200 Milliarden Euro 2019 auf 100 Milliarden Euro im laufenden Jahr sinken. Dies zusammengenommen ergäbe einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von fast 25 Prozent. Wie sich in diesem Szenario die Staatsverschuldung entwickelt, hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel Einkommensverlust der Staat bei den Bürgern ausgleicht und welche Einbußen der Unternehmenssektor und die privaten Haushalte selbst tragen. Angenommen, der Staat gleicht einen großen Teil der Lohneinbußen aus und greift den gebeutelten Unternehmen mit Krediten, Steuerstundung und Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen unter die Arme, ist die Annahme einer zusätzlichen Verschuldung des Staates von 300 Milliarden Euro eher vorsichtig. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Verbindung mit diesem Defizit ergäbe ein Hochschnellen der Schuldenquote von ungefähr 60 Prozent im vergangenen Jahr auf dann weit über 80 Prozent. Das ist jedoch vollkommen belanglos. Nach der Krise müssen auf jeden Fall die Schuldenbremse im Grundgesetz und die Regelungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes in der EWU vollständig revidiert werden, so dass nicht für viele Jahre danach neue staatliche Sparpolitik gefordert und erwartet wird….“

    • Das unterscheidet sich jetzt nicht wesentlich vom Kern meines oben stehenden Beitrags aus der vorletzten Woche. Bis auf die Tatsache natürlich, dass ich nicht zu den „versiertesten Volkswirten Deutschlands“ zähle. 😂

      Auf die Zahlenspiele, die der versierte Volkswirt in seinem Artikel macht, kann man m. E. jedoch verzichten. Sie sind nicht mehr als Kaffeesatzleserei.

      • Mir hingegen haben diese Zahlenspiele den Umfang der Krise nochmal so richtig klar gemacht. Mir helfen solche Größenordnungen, auch wenn sie hinterher nicht genau so eintreffen.

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