Kann ein höherer Leitzins Öl billiger machen?
Natürlich nicht. Ein höherer Leitzins fördert kein zusätzliches Öl, öffnet keine blockierten Transportwege und beendet keinen Krieg. Warum also fordern manche Notenbanker in der aktuellen Situation trotzdem höhere Zinsen? Die Antwort liegt in einem grundlegenden Denkfehler – und der beginnt bereits bei der Sprache. Heute werden nahezu alle steigenden Güter- und Dienstleistungspreise reflexartig als Inflation bezeichnet. Doch Inflation ist nicht der Anstieg von Preisen, sondern die Ausweitung der Geldmenge. Steigende Preise können eine Folge davon sein – sie können aber ebenso durch Kriege, Energieknappheit oder andere Angebotsschocks entstehen. Wer Preissteigerungen als Inflation bezeichnet, verwechselt Ursache und Wirkung. Genau hier beginnt der Denkfehler. Das ist keine sprachliche Spitzfindigkeit. Wer Ursache und Wirkung begrifflich verwechselt, landet am Ende zwangsläufig bei den falschen wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Genau das zeigte die jüngste Sitzung der US-Notenbank. Zwar ließ die Fed den Leitzins unverändert. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses plädierten jedoch angesichts des jüngsten Preisdrucks für eine Zinserhöhung. Der aktuelle Preisschub wird jedoch wesentlich durch den kräftigen Anstieg der Öl- und Benzinpreise infolge des Iran-Krieges geprägt. Welches...
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