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Gepostet by on Januar 31, 2026 in Allgemein | Keine Kommentare

Kunst als Investment? Warum ich als Unternehmer meist abraten muss – und trotzdem zum Kaufen ermutige

„Kann man mit Kunst Geld verdienen?“ Diese Frage wird mir regelmäßig gestellt. Sie kommt fast immer aus einer nachvollziehbaren Haltung: Wer Vermögen aufbaut oder verwaltet, denkt in Diversifikation, Stabilität und Werterhalt. Kunst wirkt dabei auf den ersten Blick attraktiv – greifbar, exklusiv, vermeintlich wertbeständig. Meine Antwort fällt dennoch meist ernüchternd aus: In den allermeisten Fällen eignet sich Kunst nicht als Investment. Und genau das ist – paradoxerweise – ihre große Stärke. Im Interview mit der NZZ am Sonntag erklärt Magnus Resch sehr nüchtern, warum der Kunstmarkt so funktioniert, wie er funktioniert. Seine Aussagen basieren nicht auf Bauchgefühl, sondern auf umfangreichen Datenanalysen: Ein extrem kleiner Kreis von Künstlern erzielt den Großteil der globalen Auktionsumsätze. Ihre Werke kosten sechsstellige Beträge und sind für die meisten Privatanleger faktisch unerreichbar. Wer mit wenigen tausend Franken ein außergewöhnliches Renditeobjekt sucht, verkennt die Struktur dieses Marktes. Warum diese Erkenntnis befreiend ist Sobald man akzeptiert, dass Kunst kein Sparbuch ist, verschiebt sich der Fokus. Dann geht es nicht mehr um Preisprognosen, sondern um andere, ehrlichere Fragen:...

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Gepostet by on Januar 25, 2026 in Allgemein | Keine Kommentare

Sicherheitspolitik ist eine Voraussetzung für Investitionen

Vor rund vier Jahren habe ich darauf hingewiesen, dass Investoren Europa nur dann dauerhaft als Standort akzeptieren, wenn außen-, verteidigungs- und sicherheitspolitische Verlässlichkeit gegeben ist. Damals auch der Hinweis: Europa kann sich nicht dauerhaft allein auf die NATO verlassen, weil die sicherheitspolitische Rolle der USA von politischen Entscheidungen abhängt – und weil die USA der zentrale Anker der NATO sind. In dieser Woche hat Donald Trump auf Truth Social erklärt, nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte sei ein Rahmen für ein mögliches Abkommen zu Grönland und der Arktisregion geschaffen worden. Zugleich kündigte er an, die für den 1. Februar vorgesehenen Zölle nicht zu verhängen. Das ist kein formaler Bruch mit Bündnissen. Im Gegenteil: Die NATO wird ausdrücklich einbezogen. Gleichzeitig wird deutlich, wie eng Sicherheitsfragen, politische Verständigungen und wirtschaftliche Hebel miteinander verknüpft werden. Für Investoren ist entscheidend, ob sicherheitspolitische Zusagen und Rahmenbedingungen als dauerhaft verlässlich wahrgenommen werden. Wenn Verlässlichkeit stärker von politischen Verständigungen abhängt, verändert sich die Risikowahrnehmung – auch ohne formale Vertragsänderungen. Für Anleger bedeutet das: Investitionsentscheidungen sollten...

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Gepostet by on Januar 18, 2026 in Allgemein | Keine Kommentare

Die Affäre Günther

Julian Reichelt äußerte sich im Zuge der Günther-Affäre sinngemäß wie folgt: Mit seiner Bemerkung bei Markus Lanz, man solle Medien verbieten, habe der schleswig-holsteinische Ministerpräsident den Vorhang ein Stück weit geöffnet. Sichtbar werde damit, worum es Politikern in solchen Momenten tatsächlich gehe – und welche potenziell gefährlichen Folgen das für unsere Demokratie haben könne. Den Verfassungsgebern war klar, dass staatlicher Macht – auch wenn sie demokratisch legitimiert ist – feste Grenzen gesetzt werden müssen. Das gilt selbstverständlich auch für demokratisch gewählte Politiker. Denn auch demokratische Macht kann in Versuchung geraten, kritische Kontrolle als störend zu empfinden oder sie einschränken zu wollen. Dass Journalisten ihrer Arbeit unabhängig nachgehen können, ist genau dieser Weitsicht der Väter und Mütter des Grundgesetzes zu verdanken. Pressefreiheit ist kein Privileg der Medien, sondern ein zentraler Schutzmechanismus der Demokratie...

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Gepostet by on Januar 09, 2026 in Allgemein | Keine Kommentare

Die freie Welt gewinnt – und der Iran zeigt warum

Ich habe im Oktober 2024 geschrieben: Die freie Welt gewinnt, weil ihre Werte unschlagbar sind. Nicht als Wunsch, sondern als Konsequenz aus einem strukturellen Unterschied: In freien Gesellschaften wird das Individuum vor dem Staat geschützt. In unfreien Gesellschaften muss der Staat vor seinen Bürgern geschützt werden. Genau dieses Muster sehen wir jetzt im Iran in aller Härte: Proteste, ausgelöst durch wirtschaftliche Not, treffen auf einen Apparat, der Kommunikation drosselt, Netzwerke kappt und Kontrolle über Sichtbarkeit herstellen will. Wenn ein Regime das Land digital abdunkeln muss, sagt das weniger über die Stärke der Proteste als über die Angst des Systems vor seinem eigenen Volk. Und es ist nicht nur ein Kommunikationskampf. Menschenrechtsorganisationen berichten über tödliche Gewalt, darunter auch Kinder, und über Massenverhaftungen. Das ist der Preis, den Systeme zahlen, die Zustimmung nicht gewinnen können – nur erzwingen. Mein Punkt von 2024 bleibt deshalb aktuell – und wird durch die Ereignisse nicht “bewiesen”, aber plausibilisiert: Regime, die den Staat vor den Bürgern schützen müssen, haben eine eingebaute Endlichkeit. Sie können Stabilität...

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Gepostet by on Januar 07, 2026 in Allgemein | Keine Kommentare

Venezuela zeigt: Regeln gelten – aber nicht für alle gleich

Die Debatte über die US-Intervention in Venezuela wird häufig als einfacher Gegensatz beschrieben: Völkerrecht gegen Machtpolitik, Regeln gegen Interessen, Recht gegen Öl. Bei genauerem Hinsehen greift diese Gegenüberstellung jedoch zu kurz. Die unterschiedlichen Bewertungen widersprechen sich nicht zwingend, sondern beziehen sich auf drei unterschiedliche Ebenen desselben Geschehens. Ebene 1: Rechtliche Geltung Völkerrechtlich ist der Maßstab klar. Militärische Gewalt auf dem Territorium eines souveränen Staates ist nur in eng begrenzten Ausnahmefällen zulässig – etwa zur Selbstverteidigung nach einem bewaffneten Angriff oder auf Grundlage eines Mandats des Uno-Sicherheitsrats. Keine dieser Voraussetzungen liegt im Fall Venezuela vor. Unabhängig von der politischen oder moralischen Bewertung des Regimes von Maduro verstösst die Intervention damit gegen das Gewaltverbot der Uno-Charta. Ebene 2: Nationale Rechtfertigung Daneben existiert eine zweite Ebene: die innerstaatliche Rechtfertigungslogik der USA. Die amerikanische Exekutive beruft sich auf weit ausgelegte Befugnisse des Präsidenten als Oberbefehlshaber sowie auf eine lange Praxis extraterritorialer Strafverfolgung. Nach dieser Lesart kann ein Vorgehen innerstaatlich als zulässig gelten, selbst wenn es völkerrechtlich unzulässig ist. Diese Argumentation hebt den internationalen...

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Gepostet by on Januar 03, 2026 in Allgemein | Keine Kommentare

Zu viele Meinungen, zu wenig Denken

Immer häufiger hört man Klagen über eine angeblich fehlende Meinungsfreiheit – vorgetragen von ganz unterschiedlichen Personen, oft mit großer Gewissheit. Blickt man jedoch auf Plattformen wie YouTube, lässt sich diese Behauptung kaum aufrechterhalten. Meinungen werden dort nicht unterdrückt – sie sind allgegenwärtig. Jeder kann seine Einschätzungen äußern, qualifizierte ebenso wie völlig unqualifizierte. Und nicht selten in einem Ton, der erschreckender ist als der inhaltliche Mangel mancher Beiträge. Das Problem liegt daher nicht in zu wenigen Meinungen oder in eingeschränkter Meinungsfreiheit. Das Problem ist ein anderes: Es gibt zu wenige gute Beiträge. An Meinungen mangelt es nicht. Eine Gesellschaft sollte sich nicht an der bloßen Quantität von Wortmeldungen messen lassen, sondern an der Qualität der Argumente, die den gemeinsamen Diskurs tatsächlich voranbringen. Hannah Arendt hat immer wieder betont, dass öffentliches Urteilen mehr verlangt als das bloße Äußern einer Meinung. Urteilskraft setzt Denken voraus – das Abwägen, Unterscheiden und Verantworten dessen, was man sagt. Neil Postman ging noch einen Schritt weiter und beschrieb das mediale Umfeld, in dem genau diese Urteilskraft...

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