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Depotvorschlag: Blackrock

13. September 2018 - Albrecht in Depotvorschlag | 4 Kommentare

BlackRock Inc. (Nasdaq BLK), WKN 928193, ISIN US09247X1019

Vorschlag für das wahre-werte-depot.de: Mit Einschränkungen attraktiver Kandidat für die Ersatzbank. Fundamental langfristig attraktiv, nur die Krisenfestigkeit ist nicht so toll (immerhin c60% Verlust Peak/Trough in der Finanzkrise). Leider scheint der Chart in einem kurz- oder mittelfristigen Abwärtstrend zu sein. Kurzum: Erst auf eine positive Einschätzung des Charts warten. 

Global skalierbares Geschäftsmodell, Führende globale Marktstellung  (2017 #1 globale ETF inflows), durch Digitalisierung weitere Wachstumsimpulse. (Erfolgs-faktoren liegen eher in IT bzw. Technologie Know-how als in Anlageentscheidungen durch Menschenhirne in der klassischen Vermögensverwaltung, zB Warren Buffet für BRK). Mit c75Mrd. $ Marktkapitalisierung, c5 Mrd. $ Gewinn und 13,900 Mitarbeitern ist BLK quasi ein etablierter Fintech Global Player analog zu einer jüngeren Amazon im eCommerce (bevor online-retail um Service und Hardware Geschäftsmodelle erweitert wurde). Wie bei der Retailanalogie ist kurzfristig mit Nachfrageschwankungen (weniger Mittel zu- bzw. evtl. gar Mittelabfluessen und daraus folgenden Effekten) zu rechnen.

-Attraktives Geschäftsmodell: Mischung aus /1 Strukturwandel in der Vermögensverwaltung weg von teuer und aktiv hin zu billig und passiv respektive automatisiert mit Smart Beta bzw. Robo-Advisors;  /2 Größenvorteilen in der Diktion von Bain: Passiver Skalenspieler; /3 einer kleinen IT Perle (risk management Platform unter dem Produktnamen Aladdin) zudem Dienstleistungen wie risk analytics und advisory sowie technology services.
Vgl. zB Bain-Studie zum Existenzdruck der Vermögensverwalter – Der Hälfte des Asset-Management-Markts droht der Kollaps. 31.07.2018. https://www.presseportal.de/pm/19104/4022173

-Starke Marken: Neben State Street und Vanguard gehört BLK zu den weltweit führenden ETF Anbietern. Die Dachmarke iShares dürfte jeder aus dem Wirtschaftsteil kennen; die Platform Aladdin dagegen nur Vermögensverwalter (B2B) und IT Profis.

•Wichtig ist das Volumen, wegen der Kostenführerschaft aus Skaleneffekten. Denn der Umsatz (2017 $12,5 Mrd.) macht nur c2 Promille des verwalteten Vermögens aus (31.12.17 6,288 Mrd. $ AUM).  

•Globaler Vertrieb (B2B, B2C) in 100 Ländern aus Standorten in 30 Ländern. 40% der AUM entfallen auf US Kunden und 49% der rund 13,900 Mitarbeiter auf die USA. BLK ist bei den Wachstumsmärkten Asien-Pazifik dabei.

•Breite, diversifizierte Produktpalette. Nicht von einem Blockbuster abhängig.

•Die Risikomanagement Platform Aladdin ist eine Mischung aus Software, Datenangebot und Analyse-Know-How (Big Data). Zwar nur 4% vom Konzernumsatz (2017 502 Mio. $ Umsatz) dafür aber stark wachsend (28% in 2016, 36% in 2017). Zur Profitabilität macht BLK keine Angaben, sie dürfte aber mit dem Volumen zusammen überproportional stark steigen (skalierbares Software-Geschäftsmodell). Angaben vom Investors Day im Mai 2018: 6.4 Mio. Risikoberichte pro Tag, 30,000 Kunden weltweit, 30% der Umsätze schon ausserhalb der USA. Beginn der Marktdurchdringung bei den grossen globalen Institutionellen Kunden 20% der Top200 Vermögensverwalter, 23% der Top100 US Pensionsfonds, 17% der Top250 Versicherer sowie 2% „Global Private Wealth“. Da ist noch viel Luft nach oben, Aladdin macht einen Großteil (c74%) der berichteten Sparte Tech & risk management (677 Mio. $ Umsatz in 2017 mit 12% CAGR 2012-17).

-Als typischer Dienstleister ist BLK kein Substanzwert mit hohem Anteil Sachvermögen, aber ein „good business“ im Sinne von Warren Buffet: c11% netto EKR im Konzern. 

•Im Kerngeschäft geringe Kapitalbindung von 119% Bilanzsumme (15 Mrd. $. s GB 2017 S. 75) vom Umsatz. Je Mitarbeiter entfallen durchschnittlich bei 330 Tsd. $ Personalaufwand rund 899 Tsd. $ Umsatz 358 Tsd. $ Gewinn nach Steuern und 1,07 Mio.$ Vermögen. 

•Der hohe Goodwill von 30,6Mrd. $ wird immerhin vom EK überdeckt (31,8Mrd. $). Dahinter verbergen sich Akquisitionen um die globale Marktstellung zu erreichen. Anders als andere M&A Werte hat BLK keine Netto-Schulden und dennoch eine hohe EK-Rendite..

•Mit weiteren 175 Mrd. $ separierten Sicherheiten und Verbindlichkeiten aus Wertpapierleihen bzw. -ausleihungen sowie Fondsanteilen kommt man zu 220 Mrd. $ Konzernbilanzsumme (GB 2017, S. 75). 

-Niedrige Fremdverschuldung (unter 55% BS): Streng genommen nicht erfüllt, weil im Konzern nur 15% EK-von der Bilanzsumme vorhanden.

•Betrachtet man aber nur das Kerngeschäft, wie BLK es adjustiert darstellt, so ergeben sich brutto 48% Schulden (5,0 Mrd. $ Finanzschulden und 2,2 Mrd. $ Pensionen), die zudem von Zahlungsmitteln um 670 Mio. $ netto überdeckt sind. Wg, des Goodwill-Themas und Beteiligungen verbleibt fürs Kerngeschäft leider kaum EK (Rest dort entfällt auf iWorking Kapital und Steuerabgrenzung). Das Kerngeschäft steht somit eigentlich ganz gut dar, aber …

-Stabilität ggü Marktschocks: Einerseits ist das Kerngeschäft solide finanziert (Net Cash Position „schwarze Null“ ). Empirisch hat aber der BLK Kurs in der Finanzkrise 60% verloren.

•Entscheidend ist, ob man der Suggestion der BLK Darstellung folgt und die gematchten Positionen aus Wertpapier-Leihen als „risikoarm“ ansieht. Macht einerseits Sinn, weil die Gegenparteien weitgehend too-big-to-fail sein dürften. Andererseits ist dies eigentlich ein echtes Bankrisiko und erklärt auch den Kurseinbruch während der Finanzkrise. Denn über die institutionellen WP-Leihepartner findet das Systemrisiko den Weg in die BLK Bilanz. Die 174 Mrd. $ sind das 5,4-fache des EK20171231 und 2,3-fache der Marktkapitalisierung.

-Bewertung: Angesichts der vorr. weitergehenden, langfristigen Trends Umsatzwachstum und Margen-Expansion sind 6,0x Umsatz, 2,4x Buchwert und 20,3x Nettogewinn nicht viel (letzter Kurs $469,27 und 2017 Zahlen). 

•Die historischen Wachstumsraten sind AUM 11%, Umsatz 6%, Operatives Ergebnis 8%, Jahresüberschuss 15% (GB 2017 S. 60 5-Jahresraten annualisiert). 

•Allein aus dem Aladdin Produkt heraus, könnte der adj. Konzerngewinn um  c10% in 2018 und 2019 wachsen (Fortschreiben von c 30% p.a. Aladdin Umsatzwachstum).

•Die EK Rendite lag 2017 bei c11-13%. 

•Hohe Ausschüttung von c3,7% der aktuellen Marktkapitalisierung im vergangenen Jahr (rund 2,8 Mrd. $ oder 54% des adj. Jahresüberschusses in 2017, davon 1,8 als Bardividende  ($ 10,00 je Aktie) und c1,4 über Aktienrückkäufe. (der rechnerische Durchschnittskurs in 2017 war ungefähr bei $423 (= 1,1Mrd. $ / 2,6Mio. Aktien; 0,3 Mrd. $ entfielen auf Steuer und Bewertungseffekte)

-Technische Analyse (Chart):  Langfristiger Aufwärtstrend ist positiv, jedoch kurzfristig rückläufig … Im Zweifel eher negativ.

•Mit c20% unter dem 52W Hoch steht da die Konsolidierung kurz vor dem Abschluss oder deutet sich vielmehr einer längere Schwächeperiode an? 

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Vorschlag, lieber Albrecht. Werte aus der Finanzindustrie gehören eigentlich nicht zu unserem Wahre-Werte-Universum. Ausnahmen sind grundsätzlich zwar möglich, aber dann sollte es dafür einen triftigen Grund geben. Diesen sehe ich hier nicht.

    Auf den Punkt gebracht: Blackrock ist einer der weltweit führenden Finanzspekulanten. Darin sehe ich keinen wahre Wert, auch wenn Blackrock in den letzten Jahren geschickter spekuliert haben mag als andere.

  2. Vom Chart her betrachtet drängt sich im Moment eine Long-Position in Blackrock überhaupt nicht auf. Sollte die Begrenzung/die Unterstützung für Long-Positionen/der Widerstand für short-Positionen bei 430$ fallen, ist das Kursziel 270$. Finger weg!

    Deshalb schlage ich als Alternative die Aktie von Berkshire Hataway vor und freue mich schon diebisch auf die Begründung, sollte dieser wirklich wahre Wert auf eine Ablehnung stoßen. 🙂

  3. Hier noch der Chart der BRK-B.
    Sie hat die Klippe bereits gemeistert.

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