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Greiffbar – Investments zum Anfassen

25. September 2020 - Volker Schilling in Gastbeitrag | 8 Kommentare

Greiffbar - Investments zum Anfassen von Volker Schilling

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Vermaledeit
  • Gebenedeit
  • Behendigkeit

Vermaledeit

Diese vermaledeite Börse. Jetzt macht sie doch tatsächlich genau das, was ich schon seit zwei Ausgaben schreibe, sie korrigiert. Dabei kokettiere ich doch immer, dass ich zwar stets eine Marktmeinung habe, aber der Markt irgendwie nie auf mich höre. So etwas aber auch. Mir dünkt es kneipt dem ein oder anderen Marktteilnehmer, dass ich hier Recht haben könnte. Aber machen wir uns nichts vor, an der Börse kommt man besser mit Demut als mit Hybris durch. Daher sehe ich die aktuelle Korrektur als positives Zeichen für kommende steigende Börsen. Wenn man höher springen möchte, dann ergibt es Sinn, erst einmal in die Knie zu gehen. So gesehen ist der aktuelle Rücksetzer noch eine Bestätigung im Aufwärtstrend.  Der Hofberichterstatter der US Notenbank Jerome Powell fordert derweil die Politik auf, noch mehr zu tun und signalisiert deutlich, dass er die gesamte Bandbreite seiner Instrumente ebenfalls einsetzen wird. In diesem Sinne ist die aktuelle Korrektur kein Malus, also keine vermaledeite Börse, sondern eher ein günstiger Moment. Nutzen Sie die Positur des Marktes, denn jetzt lohnt sich der eine oder andere Einstieg wieder. Am Ende sind Sie dann auch mit Erfolg gebenedeit. Apropos:

Gebenedeit

Einer der mit Erfolg, Begeisterung, Standhaftigkeit und Inspiration gesegnet ist, der kann auch andere Menschen in seinen Bann ziehen. Einer dieser gebenedeiten ist mit Sicherheit Elon Musk. Letzte Woche schrieb ich an selber Stelle, dass der vermeintliche Durchbruch, der am Batterie Day als Superlativ angekündigt war, wohl wieder als Komparativ enden wird. Und genau so war es. Die neue Botschaft, die der Auserwählte an seine Gefolgschaft überbrachte, lässt sich dann auch in einem Satze zusammenfassen: Tesla will ab 2023 ein Auto dem Markte zutragen, dass schon ab 25.000 amerikanischen Dollars zu haben sein wird. Die Gefolgschaft will wohl daran glauben und bejubelte die frohe Kunde. Das Marktvolk an der Wall Street dagegen ist davon vorerst nicht überzeugt und trug seine Tesla Anteile zurück. Der Kurs unter Druck. Und machen wir uns an der Stelle wahrhaftig: Nach dem fulminanten Anstieg der Tesla Aktie ist diese Korrektur mehr als notwendig. Letztlich war dies auch der Grund, weshalb ich potentielle Anleger um Zurückhaltung bat. Mit weiter sinkenden Kursavancen allerdings sollte auch eine Tesla wieder in den Fokus rücken. Denn nicht zuletzt der Gründer sollte gebenedeit sein, sondern auch seine Gefolgschaft. Verhalten Sie sich also behend.

Behendigkeit

Weniger behend geht es bei den traditionellen Autobauern zu. Autobauer Daimler setzt zum Kahlschlag in seinen deutschen Motorenwerken an. Jede fünfte Stelle am Stammsitz in Untertürkheim wird gestrichen. Und während Tesla ein neues Werk in der Nähe Berlins bald in Betrieb nehmen wird, halbiert Daimler in seinem Berliner Motorenwerk seine Belegschaft. Dazu kommen jetzt immer mehr Zuliefererunternehmen, die ihrerseits Personal freisetzen oder gar kurz vor dem Aus stehen. Nur eine Branche schließt noch schneller seine Niederlassungen, die Banken: Deutsche und Commerzbank führen ihre Niederlassungen zum Schafott und exekutieren schneller als die Scharfrichter des Mittelalters. Wenn Ihnen das zu altertümlich erscheint, dann habe ich mit der vorliegenden Ausgabe wohl zu sehr dem alten Wortschatz gefrönt. Sehen Sie es mir nach und bleiben Sie mir gewogen.

Ihr Volker Schilling

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8 Kommentare

  1. Richtig, die gut bezahlten Arbeitsplätze verschwinden jetzt auch in Deutschland und werden durch mies bezahlte Arbeitsplätze ersetzt.

    Das kommt davon, wenn man keine „Germany first“ Politik betreibt, sondern die eigene Kernindustrie vor die Hunde gehen lässt und vorgaukelt die Welt retten zu wollen (was naiv ist).

    Fazit: Irreversible (!!) Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft – falls wir überhaupt noch von „Gesellschaft“ sprechen können.

    @Volker: Ich denke man tut gut daran frühestens ab dem 04.11. wieder zu investieren. Es gibt mächtige Interessengruppen, die zum Wahltag eine schwache Börse vorfinden möchten – dadurch wird Trump verhindert.

  2. Ich denke auch es ist aktuell oder nächste Woche einfach noch zu früh, um zu investieren. Ich gebe zwar zu eine kleine Position in Siltronic und Hugo Boss getätigt, aber heute auch weitere Gewinne mitgenommen und mein Cashanteil im Depot weiter erhöht zu haben.

    Komplett mit der Investition bis zur US-Wahl würde ich nicht warten, ich denke so ab Mitte Oktober ist ein guter Zeitpunkt bereits. Natürlich schließe ich nicht aus, weitere kleine Positionen auch schon vorher einzugehen, wenn Aktien auf der Watchlist schon deutlich unter Druck geraten sind. Den idealen Zeitpunkt erwischt man bekanntlich selten. Alles natürlich auf Sicht fahren, denn ich glaube momentan nicht daran, dass die Börse gegenüber der Coronaentwicklung immun ist und ich schließe zumindest regionale Lockdowns in Deutschland wie Europa nicht aus. Es könnten sich dann aber wieder gute Einstiegskurse ergeben, obwohl ich hoffe, dass Lockdowns verhindert werden können.

  3. Lieber Michael,

    Du hat geschrieben:

    „Richtig, die gut bezahlten Arbeitsplätze verschwinden jetzt auch in Deutschland und werden durch mies bezahlte Arbeitsplätze ersetzt. Das kommt davon, wenn man keine „Germany first“ Politik betreibt, sondern die eigene Kernindustrie vor die Hunde gehen lässt und vorgaukelt die Welt retten zu wollen (was naiv ist).“

    Jetzt werde doch bitte einmal konkret:

    Ich möchte von Dir wissen, inwiefern man in der Vergangenheit keine „Germany first“ Politik betrieben hat und naiv ist bzw. was die Politik besser machen sollte. Welche Jobs werden durch welche mies bezahlte Jobs ersetzt? Es war Deine Behauptung. Die Antworten wirst Du sicher geben können. Anschließende Fragen: Wären es gut bezahlte Jobs, die ggf. nach Deutschland zurückgeholt werden? Könnten die betreffenden Unternehmen es sich leisten, höhere Arbeitslöhne zu zahlen und genauso profitabel arbeiten? Würde sich das Ausland das gefallen lassen? Zu Deiner weiteren Behauptung: Inwiefern gaukelt Deutschland vor, die Welt retten zu wollen? Wenn es sowieso nur vorgegaukelt wird (ohne etwas Ernstes in Sachen „Weltrettung“ zu unternehmen), was wäre dann so schlimm daran für die Wirtschaft? Beispiel: In Sachen Abgaswerte hat Deutschland in der EU immer auf die Bremse getreten – klingt eher nicht nach Weltrettung. Andere Länder preschen voran und haben konkrete Jahreszahlen beschlossen, ab denen es keine Verbrenner mehr geben soll (Kalifornien will den Verkauf von Verbrennern schon 2025 verbieten). Werde konkret: welche “ Weltrettungsversuche“ von Deutschland sind Deiner Meinung nach nicht vertretbar?

    Anbei noch mal ein paar Zahlen: Im Jahr 2018 hatte Deutschland ein BIP in Höhe von 3,4 Billionen Euro (29 % des BIP der Eurozone). Es hatte auch bislang über viele Jahre einen sehr hohen Handelsbilanzüberschuss, konnte darüber hinaus trotzdem noch die Neuverschuldung reduzieren oder sogar Schulden abbauen. Im Jahr 2017 war der Handelsbilanzüberschuss bspw. 245 Mrd €, und im Jahr 2016 betrug er bspw. 249 Mrd. €. Deutschland wird dafür von vielen Ländern beneidet und kritisiert – auch von Trump. Wenn DAS nicht „FIRST“ ist! Viel „firster“ geht es doch kaum für ein Land der Größe von Deutschland, das zudem kaum über eigene Rohstoffe verfügt! Übrigens: Im Jahr 2018 zahlte Deutschland netto 13,8 Mrd. € an die EU. Klingt zwar nach viel, sind aber Peanuts gegenüber den zuvor genannten Zahlen. Also sage nicht, Deutschland solle aus der EU austreten, um noch ein ganz klein bisschen „firster“ zu sein. Das wäre sicher NICHT DIE LÖSUNG, um etwa den Ersatz durch mies bezahlte Jobs zu verhindern (könnte auch nach hinten losgehen). Die o. g. Zahlen habe ich aus Wikipedia und gehe vorläufig davon aus, dass sie korrekt sind.

    Ich bin auf Deine Antworten gespannt und gehe davon aus, dass Du alle Fragen beantworten kannst.

    Die folgende Grafik stammt ebenfalls aus Wikipedia (Zahlenangaben der Ordinatenachse entsprechen Mrd. Euro)

    • Irgendwie wird die Grafik in der Vorschau nicht mehr angezeigt (vielleicht ein technischen Problem). Rein vorsorglich daher hier noch einmal.

  4. Hallo Sandro,
    da Michael Dir nicht antwortet,möchte ich einen Versuch starten, denn mir fallen viele Dinge ein und ich weis gar nicht,wo ich zuerst anfangen soll.

    Vielleicht gehen wir zurück und beginnen mit der Agenda 2010, die den Grundstein unter anderem für Hartz IV gelegt hat.Welches unumkerbar ist.Und damit Deutschland zum Billiglohnsektor gemacht hat.Seitdem orientieren sich viele Arbeitgeber an einem Mindestlohn,der an sich nur Augenwischerrei ist und event. die aktuelle Lage etwas verbessert aber nichts für die Rente oder hast du schon einmal versucht mit 1200 bis 1500 Euro im Monat netto um die Runden zu kommen. oder begriffe wie aufstocken,die mir da einfallen. Für mich aktuell eine späte Klatsche für die feinen Sozialdemokraten ,die nun keiner mehr wählt.

    Und das bei ständig steigenden Nebenkosten, wo wir beim Thema Energiewende sind. Meiner Meinung nach ist nichts so sicher wie ein Deutsches Atomkraftwerk, die wir nach und nach abschalten und nun teuer Strom im Ausland einkaufen. Zum Glück haben die guten Nachbarn einiges vorrätig und Holland baut seine Atomkraft noch etwas aus, sonst wäre es mächtig dunkel hier. Denn Solar und Windkraft allein reichen leider nicht aus. Oder wittert man hier etwa Geschäft.!

    Betroffen ist für mich die Autoindustrie, wir streiten hier im Microgramm bereich für aberwitzige Milliaren und versuchen ein hundertstell besser zu sein. Soll ein Blue Tec Mercedes denn wirklich so schlecht sein ? Für mich immer noch der sauberste Verbrenner. Da auf Elektro umgestellt werden soll, werden Stellen abgebaut müssen. Denn ein Elektroauto besteht nun mal nur aus ca.10.000 bis 15.000 Teilen. Ein Verbrenner hingegen aus ca.30.000. Also muss sich der gemeine Fliesbandarbeiter,der so ca. das Gehalt eines Ingenieur hat,leider etwas anderes suchen.
    Mal ganz abgesehen vom Abbau der Rohstoffe für Batterie oder einem zweifelhaften Wiederverkaufswert im Gegensatz zu den hohen Anschaffungskosten.

    Ganz klar, man möchte etwas für die Umwelt tun, und Co2 sparen, begrüßt aber gleichzeitig den Rindfleischdeal mit Argentinien. Und belegt dafür Deutsche Bauern mit mehr und strengeren Auflagen.
    Man mischt sich lieber in russische Politik ein, um Nord Stream 2 zu verhindern, statt einfach zu sagen,“Wir wollen lieber dreckiges Fracking Gas von den Amis kaufen“ Man nimmt lieber Sanktionen in Kauf und vernichtet Arbeitsplätze. Sorry , wenn ich Dir jetzt keine Zahlen nennen kann, was große Verlegschiffe monatlich kosten die beim Ausbau helfen und nun regungslos im Hafen liegen plus dazugehörige Arbeitsplätze.
    Begründet werden unter anderem solches Vorgehen, wie im Fall Nawalny,ein Gift welches natürlich nur der Russe hat, mit Nichteinhaltung Demokratischen Grundrechte. Wenn man diese Meinung hat, müßte man ebenfalls aber auch alle Verträge mit arabischen Ländern kündigen, da sich diese ebenfalls einen Schei… um demokratische Grundrechte kümmern.Grundrechte für Frauen etc.

    Zu guter Letzt noch einmal zum Dax. Der Montag vor einer Woche.Stellt man eine Stange von etwas über 600 Punkten abwärts in den Dax Chart,innerhalb von 2,5 bis 3h. Als Daytrader oder Kleinanleger stehst du da nur mit dem Rücken zur Wand. Hast keine Chance darauf angemessen zu reagieren.Üblicherweise verlaufen Kurse in Wellenmustern, damit du weist was gespielt wird, für einen einigermaßen fairen Handel. Mag das die Tat eines Einzelnen gewesen sein oder Absprache. Mag Selbstbereicherung das kleiner Übel in unserer Gesellschaft sein, wenn ich dann wieder lese ,das Frau Göring Eckhardt von „Dieses Land wir sich verändern und freut sich drauf“ verheiratet mit einem Theologen namens Thies Grundlach, der wiederum mit seiner Kirche ein Seenotrettungsboot betreibt um Menschen zu retten. Die nur in unser Sozialprogramm aufgenommen werden und zu 90 % nicht integrierbar sind.Was für mich keine echte Hilfe darstellt, denn es entspricht einem bedingundgslosem Einkommen auf Lebenszeit, welches jedem Deutschen bis jetzt verwehrt wird. Sei es drum, denn seither debatieren wir lieber leidenschaftlich über wichtige Umbennung von Weihnachtsmärkten und Mohrenköpfen etc.

    Ist das Germany First für Dich ?

    • Lieber Holger,

      ich schliesse mich Sandro an, dein Kommentar geht in Richtung Polemik und blendet Unangenehmes einfach aus.
      Technischer Fortschritt hat schon immer einige Berufe reduziert oder ganz verschwinden lassen, man errinnere sich an den Fernseh- und Radiotechniker, Textilarbeiter, Uhrenmacher, Drucker, Schriftsetzer, Sattler, Schmid usw. und den Schreibmaschienenmechaniker kennen die meisten nur vom hörensagen. Das die Autoindustrie jetzt Probleme hat ist selbstverschuldet. Jahrzehnte lang die Leute anlügen und betrügen verlangt seinen Tribut, mitleid haben nur wenige. Das lamentieren über die Akkus klammert die problematischen Rohstoffe bei konventionellen Autos aus, z. B. Blei, Zirkoniumoxyd, Palladium, Platin und was die Umweltbelastung angeht sind sie im Vergleich zu E-Mobile Dreckschleudern, (Bremsstaub, Ölverluste, Abgase, Energieverbrauch). Um 1 Liter Benzin zu tanken wurde schon 1.5 kW Energie verbraucht. 50 Liter tanken sind 75 kW ohne gefahren zu sein, damit fährt ein Stromer 300 km und mehr, zu Hause aufgeladen. Erneuerbare Energie gäbe es genug, wenn aber nur Stromtrassen für AKWs, Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden können ist es nicht der Energie ihr Problem, oder?
      Leider oder zum Glück haben nicht alle Branchen eine so gute Lobby wie die Energie-, Auto- und Bankenindustrie.
      Die Kosten für den Unterbruch bei Nordstream sind Paenuts und die Flüchtlinsfrage aufzuführen, nachdem Deutschland Milliarden mit Waffenverkäufen verdient hat, ist reine Polemik genauso wie das argentinische Rindfleisch, niemand ist gezwungen es zu kaufen. Genauso dürfen Sie ihren Mohrenkopf weiterhin essen und den Weihnachtsmarkt besuchen.
      Ich habe auch noch nie einen Daytrader jammern hören wenn er schnell ein paar hundert Prozent Gewinn gemacht hat. Langfristig macht die Börse immer eine Wellenbewegung.
      Übrigens, Leuten vorzuwerfen, dass sie Menschen das Leben retten, ist das aller Letzte, zumal man als Daytrader ja keine existenzielle Nöte kennt!
      In Deutschland ist nicht alles Gut, aber vieles Besser als im Rest der Welt, sonst würden sie nicht herkommen sondern nach Syrien gehen.

      Liebe Grüsse Kurt

  5. Lieber Holger,

    Zunächst einmal, danke für die Antwort.

    Natürlich macht die Politik Fehler. Die macht sie in jedem Land, und man kann viel kritisieren und über viele Dinge auch ganz unterschiedlicher Meinung sein. Auf alle politischen Fehler im Einzelnen wollte ich aber eigentlich gar nicht hinaus.

    Anknüpfend an Michaels Kommentar und anknüpfend an vorherige Diskussionen mit Michael ging es mir um das Thema „Germany first“. D. h. ich wollte wissen, wo Deutschland gegenüber dem Ausland Fehler macht, z. B. in der Handelspolitik. Oder wo Deutschland für die angebliche „Weltrettung“ erhebliche Nachteile gegenüber dem Ausland in Kauf nimmt. Oder warum eine EU-Mitgliedschaft ein Fehler sei (Michael hatte sich da schon vorher festgelegt). Ich sehe die EU – trotz ihrer Probleme – als Win-Win-Situation für alle Mitgliedsstaaten, auch für Deutschland. Ganz im Sinne von „Europe first“. Ohne „Europe first“ könnte es m. E. auf Dauer kaum ein „Germany first“ geben, wenn wir uns mit den Großmächten messen wollen. Der Euro hingegen war m. E. ein Fehler (möglicherweise ist aber sogar dieses Problem vorerst gelöst, siehe Raimunds Artikel: https://wahre-werte-depot.de/corona-rettet-den-euro/ ). Michael hat bspw. häufig die „America-First“-Politik von Donald Trump gelobt. Gibt es also etwas, was Deutschland von Trump lernen könnte? Ich kann da, beim besten Willen, nicht viel finden. Könnte sich Deutschland mit seinem derzeitigen Handelsbilanzüberschuss z. B. durch eine aggressive Handelspolitik im Stile Trumps noch weiter verbessern? Ich glaube nicht, dass das Ausland das mitmachen würde. Trumps Tiktok-Deal klingt bspw. auf den ersten Blick erfolgreich (obwohl er, z. B. rechtlich gesehen, noch nicht in trockenen Tüchern ist). Auch dieser Deal wird aber einen Preis haben, der es möglicherweise nicht wert war.

    Das Thema Nordstream 2 und Nawalny wäre durchaus ein „Germany First“-Thema. Tatsächlich halte ich die Debatten um Nawalny als möglichen Ausstiegsgrund aus Nordstream 2 nur für vorgeschoben (auch wenn die Kritik an Russland wegen des Falls Nawalny berechtigt ist). Denn dass in Russland gelegentlich Kreml-Kritiker ums Leben kommen oder für lange Zeit im Gefängnis landen, wusste man schon vorher. Tatsache ist doch: Deutschland wird von den USA bez. Nordstream 2 erpresst. Statt dem Druck also nachzugeben und den Fall Nawalny dafür als Pseudo-Grund heranzuziehen, wäre die Frage, welche anderen Möglichkeiten es gäbe.

    Über Atomkraft darf man geteilter Meinung sein, finde ich. Die Lagerung des Atommülls kostet auf lange Zeit wohl enorm viel Geld (was möglicherweise den kurzfristigen Nutzen überwiegt), und der Atommüll belastet uns noch bis in alle Ewigkeiten. Bis heute streitet man sich darüber, überhaupt ein Endlager zu finden. Nachdem Gorleben lange Zeit angeblich als „sicher“ galt, ist es nun auf einmal von der Liste der potentiellen Endlagerstätten gestrichen. Was kann man dann auf andere Expertisen geben? Ungeachtet ethischer Fragen bin mir nicht sicher, ob Deutschland durch den Verzicht auf Atomkraft langfristig wirklich einen ökonomischen Nachteil gegenüber dem Ausland hat.

    Was die Autoindustrie betrifft: Es ist der Lauf der Dinge, dass viele Länder keine Verbrenner mehr wollen und bereits Zeitpläne für den Ausstieg festgelegt haben. Und so wie es aussieht, hat die stark exportabhängige deutsche Automobilindustrie offenbar etwas geschlafen und muss nun – so paradox es klingt – zu ihrem Glück gezwungen werden, um Schaden abzuwenden (Detroit lässt grüßen). Ob wir noch ein paar Jahre höhere oder niedrigere Grenzwerte haben, scheint mir da eher zweitrangig. Man kann zwar auch gute Autos mit niedrigeren Grenzwerten bauen (ist wohl eher eine Frage der Kosten). Langfristig bringt es aber nichts, an Dinosauriertechnologien festzuhalten, wenn sie niemand mehr haben will (siehe z. B. den Niedergang von Kodak). Derweil opfert Donald Trump Naturschutzgebiete, um beim ultraniedrigen Ölpreis noch mehr zu Öl fördern zu können, während die OPEC und Russland es kaum schaffen, die Fördermengen ausreichend zu reduzieren, um den Ölpreis zu stützen. Was für ein Unsinn. So macht Trump „America“ sicherlich nicht „great again“ und tut auch der Welt keinen GEfallen.

  6. Lieber Kurt,

    Polemik schlägt Polemik, möchte ich meinen, wenn ich Ihre Zeilen so lese.Deshalb ganz kurz nur.

    Ich denke sie wissen genau, wie das mit den Waffenverkäufen in Deutschland geregelt ist und wie diese umgangen werden.
    Haben sie dem zugestimmt und sind die Erlöse dem Allgemeinwohl zugute gekommen ?

    Wenn sie ihre gezahlten Kirchensteuer zur Rettung nehmen wollen, machen sie das.

    Weihnachtsmärkte gleichen im übrigen eher einer Festung, als einem Friedensfest.

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