Deutschland hat keine Ahnung von Geld
Vielleicht war die schwäbische Hausfrau eine der erfolgreichsten wirtschaftspolitischen Fehlbesetzungen der deutschen Geschichte. Sie hat es bis ins Kanzleramt geschafft – zumindest als Denkmodell. Sparen galt als Tugend. Schulden als Sünde. Die schwarze Null als Krönung solider Finanzpolitik. Und ein erstaunlich großer Teil Deutschlands glaubte daran. Vier Kolumnen lang habe ich analysiert, wie Deutschland der schwarzen Null verfallen konnte. Am Ende bleibt für mich eine ziemlich verstörende Frage: Wie konnte ein Land jahrzehntelang über Schulden streiten, wenn so viele offenbar nicht verstanden haben, wie unser Geldsystem überhaupt funktioniert? Der volumenmäßig größte Teil unseres Geldes ist Buchgeld. Geschäftsbanken schaffen neues Buchgeld, wenn sie Kredite vergeben. Werden diese Kredite getilgt, verschwindet das dabei geschaffene Geld wieder. Schulden sind deshalb in unserem heutigen Geldsystem kein Betriebsunfall. Sie sind systemimmanent. Die Schulden schaffen das Geld. Trotzdem wurde den Deutschen über Jahre eine Geschichte erzählt, die jedes Kind verstehen konnte: Schulden schlecht. Sparen gut. Schwarze Null hervorragend. Und als Krönung wurde die schwäbische Hausfrau zum Vorbild staatlicher Finanzpolitik erhoben. Ökonomisch ist das absurd. Ein...
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